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Fliese für Fliese Geschichte schreiben:

Rekonstruktion des gotischen Schmuckfußbodens der Kölner St. Gereon-Kirche

Wie es sich wohl angefühlt haben mag, vor 700 Jahren die Sakristei der St. Gereon-Kirche in Köln zu betreten? Durch kunstvoll bemalte Fenster fallen bunte Sonnenstrahlen auf den glänzenden Mosaikboden, beleuchten die Wandmalereien bis hoch in die Gewölbedecke – ein erhabener Anblick. Lange Zeit konnte dieser nur in alten Zeichnungen nachempfunden werden.

Nun erstrahlt die alte Sakristei in neuem Glanz. In einem fünfjährigen europaweit einzigarten Projekt wurden die Wandmalereien, Fenster und der Mosaikboden der Sakristei detailgetreu restauriert.

Gesamtdarstellung des Kirchenbodens

Der Vergangenheit auf der Spur

Doch wie einen Boden rekonstruieren, der bereits seit 200 Jahren zerstört ist? Fundstücke aus einer Grabung wiesen den Weg. Bereits 2010 konnten einige Fliesen des 1315 verlegten Mosaiks geborgen werden. Form, Größe und vor allem die beeindruckend gut erhaltene Farbintensität dieser Originalfliesen halfen uns dabei, das Mosaik historisch getreu nachzubauen.

 

 

Um die charakteristische, unregelmäßige Oberfläche des Fundmaterials nachzubilden und trotzdem millimetergenaue Maßhaltigkeit zu gewährleisten, mussten die unterschiedlichen Tonmischungen exakt abgestimmt werden.

Nach einigen Testbrennungen in unserer Manufaktur in Andalusien konnte die Produktion der Terracottafliesen beginnen. Das Fußmaß von 28 cm mit seinen vielfachen Unterteilungen war maßgeblich für den Aufbau des 65 qm großen Mosaiks. Neben den farbigen 6,8×6,8-cm-Grundsteinen wurden Zierfliesen im Schachbrett-Würfelmuster aus weißem und rotem Ton sowie Fliesen mit Drachenmotiv in 14×14 cm gefertigt.

 

 

Die Glasuren wurden individuell nach den alten Mustern mit unterschiedlichen Pinseltechniken aufgebracht und bei hoher Temperatur im Ringofen gebrannt.

Die historische Verlegetechnik machte es notwendig, tausende kleine Fliesen allseitig leicht anzuschneiden, um das Mosaik mit geringer Fugenbreite ins frische Mörtelbett verlegen zu können.

 

 

Nach einer Produktionszeit von einem Jahr wurden gut 24.000 Einzelfliesen verlegt: alle handgeformt und dem alten Muster ehrfürchtig nachempfunden. Wir sind stolz, dass wir an diesem Projekt mitwirken durften und freuen uns, dass Besucher der Sakristei nun wieder das Spiel des Lichts auf dem „gläsernen Boden“ genießen können.

 

Virtueller Besuch in der Sakristei

Unser Video zeigt die prachtvoll glänzenden Mosaik-Fliesen und lädt Sie ein zu einem virtuellen Rundgang in der Sakristei.

Sie möchten noch mehr über die Restauration der St. Gereon-Kirche erfahren? Der detaillierte Bericht des Kunsthistorikers Dr. G. Stracke bietet Hintergrundinformationen zu diesem sakralen Restaurations-Projekt.

Alle Hintergründe zur Restauration als Download

 

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